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Dividenden statt Zinsen

DIVIDENDEN SIND EFFEKTIV

Dividendenrenditen als Lösungsansatz bei der Altersvorsorge

Wie Altersvorsorge mit nie mehr steigenden Zinsen geht

Nach den neuerlichen Lockerungsübungen der internationalen Geldpolitik müssen deutsche Sparer ihren Glauben an bessere Zins-Zeiten endgültig beerdigen. (Ein Kommentar von Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank vom 25.09.2019)

Die zukünftige EZB-Präsidentin Christine Lagarde ist ohnehin so etwas wie eine Garantie für auf ewig günstige Kreditzinsen in der Eurozone. Sie steht glasklar für Staatsfinanzierung. Diesem Tun widersprechen deutsche Politiker abseits stabilitätspolitischer Sonntagsreden nicht. Denn wenn die EZB nicht den Schuldenausputzer spielt, muss Deutschland mit seiner guten Bonität für Italien & Co. bürgen. Doch wer bürgt, der wird gewürgt: Unsere Zinsen würden steigen und die schwarze Null wäre klinisch tot.

Zinsvermögen = Vermögensvernichtung = Altersarmut

Im Moment gibt es für deutsche Zinspapiere nicht nur keine Rendite mehr, sondern für alle deutschen Staatspapiere Minuszinsen. Damit hat sich der Zinseszinseffekt pervertiert. Nach Inflation reduziert sich das deutsche Zinsvermögen jährlich sogar um etwa zwei Prozent. Über diese Art des „Zinssparens“ freut sich nur Vater Staat: Die Entreicherung der Zinssparer ist seine Entschuldung.

Gegenüber Zinsen sind Dividenden keine Armenspeisung, sondern ein kalorienreiches Menü. Schon der DAX als nicht gerade ausschüttungsstärkster Aktienindex hat eine durchschnittliche Dividendenrendite von 2,7 und aktuell von deutlich über drei Prozent. Ein Euro-Dividendenindex kommt sogar auf über fünf Prozent. Bei Wiederanlage hat man einen ordentlichen, alternativen Zinseszinseffekt.

Sicher sind Dividendenhöhen nicht in Stein gemeißelt, doch wollen Unternehmen diese möglichst beibehalten. In Ermangelung von Zinsen suchen vor allem ausländische Pensionskassen einen Ausschüttungsersatz. Damit kommt Dividenden nicht zuletzt eine aktienkursstützende Wirkung zugute.

Neben der Zins-Diaspora und den Dividendenfreuden profitieren Aktien von fundamentalen Megathemen. In der Vergangenheit haben schon Internet, Globalisierung und Schwellenländer ihre positive Wirkung nicht verfehlt. Zukünftig werden Klimaschutz und die damit verbundenen grünen Investitionsoffensiven Niederschlag finden. Daneben wird die digitale Revolution für ähnliche Quantensprünge in puncto Produktivität und Unternehmenserfolg sorgen wie früher die Dampfmaschine.

Ohne Aktien ist für zukünftige Rentner das ganze Jahr Aschermittwoch

Auch zukünftig werden Aktien schwanken wie Schiffe auf dem Meer. Doch lehrt die Finanzgeschichte, dass sich Aktien ausnahmslos selbst von den größten Einbrüchen erholt und stets zu neuen Rekorden aufwärtsbewegt haben. Trotz z.B. Dotcom-, Immobilien- oder Euro-Krise hat der Dax seit seiner Gründung eine durchschnittliche Jahresrendite von 8,2 Prozent erzielt.

Noch mehr Pep haben US-Aktien. Der Dow Jones hat seit Januar 1987 sein Kursniveau bis heute mehr als verdreizehnfacht. Der DAX hat sich „nur“ gut verachtfacht, obwohl er bei der Wertentwicklung im Gegensatz zu US-Aktienindices noch die Dividenden berücksichtigt. So oder so sind Aktien eine hochattraktive Langfristanlage.

Wie mildert man den Kulturschock „Aktiensparen“ für Zinsgläubige?

Und dennoch ist für klassische Zinssparer der Wechsel auf die Aktienseite so frevelhaft wie der des Veganers auf die Seite der Fleischesser.

Daher sind regelmäßige Aktiensparpläne über kleine, gut verdauliche Anlagebeträge als „Einstiegsdroge“ sehr geeignet. Als Anlagevehikel sollten Aktien-Fonds bzw. Aktien-ETFs auf große Indices Priorität genießen. Dann schlagen Einzelrisiken wie z.B. ein Dieselskandal weniger zu Buche. Überhaupt sorgen regelmäßige Aktienwechsel dafür, dass die Indices auf der Höhe der wirtschaftlichen Zeit sind, attraktiv, sozusagen frisch, bleiben.

Mit Sparplänen wird das Schwankungsrisiko sogar zur Chance. Denn in sinkenden Kursphasen erhält man das Anlageobjekt Aktie zum günstigen Preis bzw. für den gleichen Spar- mehr Aktienanteile. In der Ansparphase freut man sich also über Kursverluste wegen Handelskrieg, Brexit oder Schuldenkrisen. Richtig Freude kommt jedoch auf, wenn bei einer Börsenerholung das gesamte Aktienvermögen aufgeht wie ein Hefekuchen.

Natürlich, bei nahendem Auszahlungsbeginn sollte das Aktienrisiko heruntergefahren und Kursgewinne durch Verkäufe immer mehr realisiert werden.

Insgesamt, je früher man mit regelmäßigen Sparplänen anfängt, umso weniger lässt es sich verhindern, ein ordentliches Aktienvermögen aufzubauen.

Das wird viele Anleger immer noch nicht überzeugen. Also muss der Staat nachhelfen, indem er den Deutschen das Aktiensparen steuerlich nahelegt. Aber leider passiert gerade das Gegenteil. Die geplante Finanztransaktionssteuer ist wirklich dummes Zeug. Da sie auf Aktien, nicht aber auf Staatsanleihen Anwendung findet, schürt der Staat die Aktienscheu noch mehr. Das Alibi zur Steuereinführung soll auch sein, Spekulation zu bekämpfen. Aber warum werden dann derivate Finanzinstrumente verschont?

Grundsätzlich sollte ein ordentlicher Batzen aus dem monatlichen Steuerbrutto über Sparpläne in Aktien angespart werden dürfen und das so angesparte Vermögen auch bei späterem Verzehr steuerfrei bleiben. Die Bedingungen dazu wären, über viele Jahre einzuzahlen und die Ansparleistung nur bei vorher definierten Härten des Lebens anzutasten.

Diese (steuerliche) Großzügigkeit bei der Aktien-Förderung ist sehr gut investiertes Geld. Damit wirkt die Politik der ansonsten zunehmenden Verarmung im Alter entgegen. Bereits in diesem Jahr zahlt Deutschland das erste Mal eine Billion Euro an Sozialleistungen, Tendenz steigend.

Außerdem wäre es sinnvoll, einen Staatsfonds nach dem Vorbild Norwegens zu gründen, der dringend benötigte Finanzmittel für Zukunftsinvestitionen in Digitalisierung und Klimaschutz sammelt. So könnten sich die Anleger an der verbesserten volkswirtschaftlichen Substanz beteiligen.

Der politisch-ideologische Aktien-Hass ist nachweislich falsch

Mit dem Festhalten an der Zinskultur fährt die deutsche Altersvorsorge an die Wand. Wenn der Bundesfinanzminister jetzt sagt, er lege sein Geld nur auf dem Girokonto an, muss ich auf den Kalender schauen, um festzustellen, dass nicht der 1. April ist. Politiker mit ihren ordentlichen Pensionen, die ich ihnen nicht neide, müssen sich um zusätzliche Altersvorsorge sicher keine Sorgen machen.

Aktien gehören zur Altersvorsorge. Alles andere wäre unverantwortliche Ruhestandspolitik. Ein Aktiensparplan ist ein kleiner Schritt für einen bisherigen Zinssparer, aber ein großer Sprung für seine zukünftige Altersvorsorge.

Quelle: dasinvestment.com

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